Das Wiedererleben

Das Wiedererleben der Inhalte des Erlebnisgedächtnisses ist eine natürliche, also von Geburt an gegebene Fähigkeit und ermöglicht die Bewältigung von seelischen Verletzungen und Traumata, wenn wir mit Absicht, bewusst und  mit professioneller Begleitung systematisch wiedererleben. Systematisch wiedererleben bedeutet, dass wir die Wiedererlebensprozesse so oft wiederholen, bis das neuerliche Wiedererleben nicht mehr gelingt. Damit  sind die Folgen des Traumas aufgelöst.

Beim vollständigen Wiedererleben erleben wir eine frühere Situation so real, als ob sie gegenwärtig stattfände. Dabei reproduziert unser Organismus

  1. seinen Zustand in der damaligen Situation,
  2. seine damaligen Sinneswahrnehmungen und
  3. seine damaligen Reaktionen darauf.

Das Wiedererleben ist jedoch nicht immer vollständig. Manchmal erleben wir lediglich die Gefühle und / oder die Körpergefühle der damaligen Situation.

Während des Wiedererlebens ist unser Gegenwartsbewusstsein jedoch auch aktiv. Daher erkennt unser Organismus, dass die wiedererlebte Situation keine neue Situation, sondern eine Reproduktion der Inhalte des Erlebnisgedächtnisses ist. Aus diesem Grund führt das Wiedererleben nicht zu einer Retraumatisierung, sondern zur Auflösung der Folgen eines Traumas.

Isolde Zehme

Dipl.-Psych. Isolde Zehme

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