Der Mechanismus der Traumabefreiung anhand eines Beispiels von Höhenangst

Um Ihnen den Mechanismus der Traumabefreiung zu erläutern, möchte ich Ihnen genauer beschreiben was das Erlebnisgedächtnis ist und wie es mit dem Wiedererleben eines Traumas zusammenhängt.

Ein Beispiel:

Ein Mann leidet unter Höhenangst. Während des Wiedererlebens erlebt er, wie er nach seiner Geburt an den Füßen hochgezogen wurde, sodass er frei in der Luft hing. (Dies mussten Neugeborene früher häufig erdulden, denn auf diese Weise wurde ihre Länge gemessen.)

Beim Wiedererleben dieses Geschehens erlebte der Mann auch die panische Angst, die er in der ursprünglichen Situation empfand. Nachdem dieses nachgeburtliche Trauma durch das Wiedererleben aufgelöst wurde, verschwindet auch die Höhenangst.

Warum?

Es stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass die Panik, die der Mann empfand, als er nach seiner Geburt an den Füßen in die Luft gezogen wurde, noch solch einen großen Einfluss auf sein späteres Leben hatte – nämlich, dass er Höhenangst bekam.

Das Erlebnisgedächtnis:

Eine Antwort darauf finden wir in dem von S. Petry so genannten »Erlebnisgedächtnis«. In diesem wird alles, was wir erleben, vollständig gespeichert. Später können wir uns an die meisten der im Erlebnisgedächtnis gespeicherten Inhalte kognitiv gar nicht mehr erinnern. Vollständige Speicherung bedeutet: in chronologischer Reihenfolge und mit allen dazugehörigen Sinneseindrücken, Körperzuständen und Reaktionen auf das Erlebte.

»Abgerufen«, also »erinnert«, werden die Inhalte des Erlebnisgedächtnisses durch das Wiedererleben.

Ausgelöst wird das Wiedererleben durch alltägliche Reize, beispielsweise durch Sinneseindrücke, die den Eindrücken des früher Erlebten gleichen oder ähneln.

In dem oben beschriebenen Beispiel ist der Sinneseindruck, der mit dem Blick aus der Höhe entsteht, der Auslöser für das Wiedererleben der im Erlebnisgedächtnis gespeicherten Panik – nämlich der Panik, die nach der Geburt entstand, als der Mann an den Füßen gezogen wurde.

Die Ursache der Höhenangst ist also das Wiedererleben der früheren Panik, die durch einen gegenwärtigen Reiz ausgelöst wird.

Wie in dem oben beschriebenen Beispiel war es dem Mann nach dem BSW nicht mehr möglich, die Panik wiederzuerleben.

Folglich kann auch der neuerliche Blick aus der Höhe keine Panik mehr hervorrufen. Der Mann ist also von seinem Trauma befreit.

Eine Befreiung vom Trauma gelingt also,

wenn die traumatische Situation systematisch so oft wiedererlebt wird, bis ein neuerliches Wiedererleben nicht mehr möglich ist. Das ist gleichbedeutend mit der Befreiung vom Trauma.

Zwar bleibt die Erinnerung an das Trauma weiterhin bestehen, sie ist jedoch nicht mehr belastend.

Informieren Sie sich über die:

Definition von Trauma

Isolde Zehme

Dipl-Psych. Isolde Zehme

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aus der Zeitschrift CoMed Oktober 2008

»Das begleitete Systematische Wiedererleben - eine natürliche Methode zur Befreiung von Traumatisierungen«

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