Begleitetes Systematisches Wiedererleben
Das Begleitete Systematische Wiedererleben (BSW) ist eine von Siegfried Petry entwickelte Methode, um seelische Verletzungen und Traumata aufzulösen.
Um zu erklären, wie dies gelingt, möchte ich zunächst den von Petry geprägtem Begriff des Erlebnisgedächtnisses erklären:
Petry geht davon aus, dass alles Erlebte im Erlebnisgedächtnis gespeichert wird, auch wenn es kognitiv nicht erinnerbar ist. Ein Beispiel ist die eigene Geburt. Kognitiv kann man sich an die eigene Geburt nicht erinnern. Aber beim Wiedererleben, wenn das Erlebnisgedächtnis aktiviert wird, fühlt man mit dem gesamten Körper und allen Sinnen, wie man geboren wird. Während des Wiedererlebens gelangen die Inhalte des Erlebnisgedächtnisses ins kognitive Gedächtnis und verbleiben dort auch nach Abschluss des Wiedererlebens.
Dieses Phänomen des Wiedererlebens der Inhalte des Erlebnisgedächtnisses ist eine natürliche, also von Geburt an gegebene Fähigkeit und ermöglicht die Bewältigung von seelischen Verletzungen und Traumata, sofern man die schmerzlichen Erlebnisse unter professioneller Begleitung systematisch wiedererlebt. Systematisch bedeutet, dass man das Erlebte so oft wiedererlebt, bis es nicht mehr gelingt und das Trauma aufgelöst ist.
Beim vollständigen Wiedererleben erlebt man eine bereits erlebte Situation so real, als ob sie gegenwärtig stattfände. Dabei reproduziert der Organismus
1. seinen Zustand aus der damaligen Situation,
2. seine damaligen Sinneswahrnehmungen und
3. seine damaligen Reaktionen darauf.
Während des Wiedererlebens ist das Gegenwartsbewusstsein der wiedererlebenden Person jedoch auch aktiv. Daher erkennt der Organismus, dass die wiedererlebte Situation keine neue Situation, sondern eine Reproduktion der Inhalte des Erlebnisgedächtnisses ist. Aus diesem Grund führt das Wiedererleben nicht zu einer Retraumatisierung, sondern zur Auflösung des Traumas.
Erfahrungsgemäß stellt sich bereits nach dem ersten vollständigen Wiedererleben einer traumatischen Situation ein Erleben von Befreiung ein. Ein vollständiges Erleben von Befreiung erfolgt jedoch erst, wenn die traumatische Situation so oft wiedererlebt wurde, bis das Wiedererleben nicht mehr möglich ist. Die unangenehmen Folgen der Traumatisierung lösen sich gleichzeitig auf. Die kognitiven Erinnerungen bleiben dabei weiterhin bestehen, belasten die Person jedoch nicht mehr.
Übrigens ist das BSW keine kognitive, sondern von Sprache und Intelligenz unabhängige Methode. Daher kann sie bei Menschen jeden Alters und beliebiger Intelligenz, sowie jeglichen Entwicklungsstandes durchgeführt werden, also auch mit Kindern, Kleinkindern, Säuglingen und Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen.